Nachhaltigkeit: Konzepte im Handel und wie man die Spreu vom Weizen trennen kann

Die „Fridays for future“-Bewegung und die Reaktion der Politik zeigen es klar auf: es wächst eine Käuferschicht heran, denen Klimawandel und Nachhaltigkeit sehr wichtig sind. Und sie haben unmittelbare Auswirkungen darauf, nach welchen Kriterien in Zukunft immer mehr Kaufentscheidungen getroffen werden. Wir zeigen, welche Nachhaltigkeitskonzepte im Handel gerade en-vogue sind und woran Kunden „ehrliche“ Konzepte erkennen.

Werfen wir einen Blick in die USA, wahrlich nicht das Land des blühenden Umweltschutzes. Der größte Baumarkt in den USA, Home Depot, fährt seit Jahren eine Strategie der demonstrativen Nachhaltigkeit und berichtet regelmäßig über seine Ziele – und insbesondere den Zielerreichungsgrad.

Sustainability goals Home Depot

Home Depot hat klar erkannt, dass „sustainability sells“. Kritische Berichterstattung hat hier bereits in den 90er Jahren dazu geführt, dass man sich eine einigermaßen klare Nachhaltigkeitsstrategie gegeben hat.

Beispiele aus Deutschland:

NABU hat in einer Broschüre zahlreiche Positivbeispiele aus dem deutschen Einzelhandel aufgelistet. Sie drehen sich hauptsächlich um die Themen „Regionalität“ und „Müllvermeidung“.

DM Drogeriemarkt fokussiert auch im Wesentlichen um das Thema Müllvermeidung und ist gerade mit einem Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet worden (siehe hier). Der Baumarkt Hornbach ist ebenfalls mit dem Thema Nachhaltigkeit stark präsent und hat seine Aspekte episodisch in einer Nachhaltigkeitsbroschüre dargelegt.

Wie ist die Situation in Deutschland einzuschätzen?

Es ist klar erkennbar, dass das Thema Nachhaltigkeit auch im deutschen Handel eine immer größere Rolle spielt. Aus den Feigenblatt-Ansätzen der ersten Tage sind bei einigen Playern echte Konzepte geworden. Man kann sehen, dass der Fokus dabei auf folgenden Themen liegt:

  • Abfallvermeidung
  • Recycling (wobei sich die Konzepte hier deutlich stärker auf „Rücknahme“ als auf „Wiedergewinnung“ konzentrieren)
  • Regionale Herkunft der Produkte (insbesondere im Lebensmittelhandel)
  • Energieeffizienz

Nicht stark ausgeprägt sind:

  • „Cradle-to-grave“-Konzepte, die den gesamten Lebenszyklus eines Produktes betrachten
  • Klimaaspekte, die den CO2-Footprint des Produktes und seines Lebenszyklus betrachten

Woran erkennt man eine „ehrliche“ Nachhaltigkeitsstrategie?

Zahlreiche Blogs und Institutionen geben heute Hilfestellungen, woran man „ehrliche“ Nachhaltigkeit (in Abgrenzung zum „Greenwashing“) erkennen kann. Wir haben die aus unserer Sicht Wichtigsten zusammengestellt:

  • Eine echte Nachhaltigkeitsstrategie umfasst alle Bereiche von „cradle to grave“. In China billig kaufen und dann mit einer biologisch abbaubaren Plastikfolie verpacken ist besser als nichts, reicht aber bei Weitem nicht aus.
  • Eine gute Nachhaltigkeitsstrategie kommuniziert Erfolge und Misserfolge gleichermaßen. Suchen Sie in den Nachhaltigkeitsberichten danach, was nicht geklappt hat, nur das ist glaubwürdig im eigentlichen Sinne des Wortes.
  • A propos: das Unternehmen sollte einen Nachhaltigkeitsbericht haben.
  • Eine wirkliche Nachhaltigkeitsstrategie wird von Eigentümern und Geschäftsleitung getragen (lesen Sie die Editorials: Wenn der Head of Marketing das Vorwort schreibt…).
  • Gütesiegel und Zertifikate sind gut. Oft allerdings sind sie nicht transparent und geben nur einen Hinweis, aber selten wirklich Gewissheit. Gute nachhaltige Unternehmen sind vielfach von unterschiedlichen Zertifizierungsagenturen geprüft; das erhöht die Glaubwürdigkeit.

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