Unsere UNO-Nachhaltigkeitsziele 2020: wo wir schlecht sind

Ein bisschen früher als sonst üblich und damit erstmal vorläufig: die UNO Nachhaltigkeitsziele („SGD“=Sustainable Development Goals) sind in ihrer Operationalisierung nochmals schärfer gefasst worden und das haben wir zum Anlass genommen, unsere eigene Firma jetzt schon mal nach den überarbeiteten Kriterien zu bewerten.

Im Ergebnis sind wir in unseren Kernbereichen rund um Umweltschutz, Klima und Nachhaltigkeit auf einem guten Weg. Ein paar Neuerungen in diesem Jahr (zu den Themen Energieeinsparung, Prozessoptimierung und Wasserqualität) habe das ihrige zu einem guten bis teilweise sehr guten Score beigetragen. Details kommen dann Anfang 2021 in unserem Nachhaltigkeitsbericht für 2020.

Heute wollen wir schon mal die Dinge thematisieren, in denen wir keinen akzeptablen Score haben und das sind im Wesentlichen zwei Bereiche:

SGD 2 – Ernährung sichern („Zero Hunger“)

Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern. Hier haben wir mit 35% den niedrigsten Score aller Ziele. Unsere offizielle Politik lautet wie folgt:

Wir bekennen uns zur zirkulären Ökonomie mit einem möglichst geringen Footprint. Auch wenn wir in unserer unmittelbaren Umgebung nicht viel gegen Hunger tun müssen, können wir dieses Ziel dennoch zumindest mittelbar unterstützen:

  1. Bereitstellung eines umfassenden Gesundheitsprogramms für unsere Mitarbeiter mit ärtzlichen Checkups und Gesundheitsbetreuung
  2. Sicherstellung einer hohen Wasserqualität des unsere Firma verlassenden Wassers
  3. Eine Zero-tolerance Politik hinsichtlich des Einsatzes von gentechnisch manipulierten Pflanzen
  4. Sicherstellung einer Zero Hunger Politik in unserer Supply Chain, insbesondere in und aus Schwellenländern
  5. Öffentliche Unterstützung der Armutsbekämpfung durch ausgewählte Hilfsprojekte (z.B. Nepal-Medical-Careflight)

Wir unterstützen dieses Ziel und haben die entsprechenden Ansatzpunkte und Auswirkungen auf uns analysiert. Im Rahmen einer erweiterten Risikoanalyse konnten keine von uns ausgehenden unmittelbaren Risiken identifiziert werden.

Aber wir tun auch nichts wirklich Gutes in diesem Bereich, auch weil er in unserer Erfahrungswelt sehr weit weg ist. Das müssen wir noch ändern.

SGD 5 – Gleichstellung der Geschlechter („Gender Equality“)

Geschlechtergleichstellung erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung befähigen. Hier haben wir mit 40% auch einen sehr schlechten Score.

Während man bei SDG 2 noch anführen kann, dass bei regionalen Wertschöpfungsketten in Deutschland es einfach schwierig ist, besondere Leistungen für „Zero Hunger“ zu erzielen, finden wir diesen Score bedrückend. Denn eigentlich – dachten wir – haben wir eine quasi-perfekte Nichtdiskriminierungskultur bei uns??? Unsere Politik ist wie folgt:

Darüber braucht man ja wohl nicht weiter zu reden, das ist selbstverständlich. Wir freuen uns, dass wir viele Mitarbeite haben, die wieder zu uns zurückkehren. Wie der Fussball-Trainer Jürgen Klopp mal gesagt hat: „Es ist nicht wichtig, was die Leute denken, wenn Du kommst, sondern wenn Du gehst“.

  1.  Wir arbeiten diskriminierungsfrei. Insbesondere bemühen wir uns, Frauen und speziell Mütter dabei zu unterstützen, ihren Platz im Berufsleben zu behaupten und sich weiterzuentwickeln.
  2. Wir unterstützen Teilzeit-Beschäftigung und haben etwa 15% unserer Mitarbeiter in Teilzeit angestellt.
  3. Über 90% aller Mitarbeiterinnen, die sich in Elternzeit begeben haben, kehren nach Beendigung zu uns an ihren Arbeitsplatz zurück. Manche sogar mehrfach…:-)
  4. Wir bezahlen gleiche Löhne für gleiche Arbeit.
  5. Dabei bieten wir variable Modelle an, die sich an den Bedürfnissen der Mitarbeiter orientieren, soweit das mit einem effektiven Betriebsablauf vereinbar ist.
  6. Wir bieten einen Kommunikationskanal, in dem von Diskriminierung betroffene Mitarbeiter sich direkt und ohne Sorge vor Repression an die Geschäftsleitung wenden könnten, haben aber bisher keine Fälle von geschlechter- oder religionsspezifischer Diskriminierung zu vermelden gehabt. Wir hoffen, dass das auch so bleibt.
  7. Wir stellen sicher, dass auch unsere Lieferanten diskriminierungsfrei arbeiten.
  8. Zwischen 40 und 50% unserer Leitungspositionen sind von Frauen besetzt.
  9. Wir haben eine strikte Nicht-Diskriminierungspolitik. Jede Form der Diskriminierung, gleich welchen Grundes (dies beinhaltet insbesondere aber nicht abschließend Geschlecht, „Rasse“, Hautfarbe, Behinderung, politische Einstellung, sexuelle Orientierung, Alter, Religion, Nationalität, Arbeitsorganisation oder soziale Herkunft) lehnen wir ab und achten auf die strikte Einhaltung in unserer Firma. 

Wir unterstützen dieses Ziel und haben die entsprechenden Ansatzpunkte und Auswirkungen auf uns analysiert und unser Geschäftsmodell strukturell darauf ausgerichtet. Im Rahmen einer erweiterten Risikoanalyse konnten keine von uns ausgehenden unmittelbaren Risiken identifiziert werden. Allerdings ist das Top-Management mit Herrn Nierobisch und Herrn Pietsch ausschliesslich mit Männern besetzt. Wir hatten noch keine Chance, das vernünftig zu ergänzen, aber wenn es soweit ist, wird geschlechterspezifische Diskriminierung definitiv bei uns keine Rolle spielen.

Soweit der Teil, mit dem wir uns beschäftigt haben. Was uns aber besonders schlecht aussehen lässst ist, dass wir keine genderspezifische Firmenpolitik in der Supply-Chain haben (hier haben wir nur 5 von 25 möglichen Punkten). Wir suchen unsere Lieferanten zum Beispiel nicht nach ihrer weiblichen Eigentümerschaft aus unnd ehrlich gesagt wissen wir von den meisten unserer Lieferanten noch nicht mal, ob sie in männlicher oder weiblicher Hand sind. Es war einfach bisher nie ein Thema in unserem Haus, zumal wir viele regionale Rohstoffe beziehen (und es gibt bei uns z.B. keine weiblich geführte Rapsölmühle in der Region). Klingt nach einer halbseidenen Entschuldigung? Ist es auch. Wir hatten es bisher nicht auf dem Schirm und müssen auch das ändern.

Was wir erreichen wollen

Wir können nicht überall gut oder sehr gut sein, das ist uns auch klar. Aber es ist wie mit der Rassismus-Diskussion, die inbesondere durch Black Lives Matter in diesem Jahr stark in den Vordergrund gespült wurde: worüber man nicht nachdenkt, darin kann man auch nicht besser werden. Und die SDG-Ziele der UNO haben uns einige Anhaltspunkte dafür gegeben, wo unsere Blind Spots liegen. Wir können nicht versprechen, in allen Bereichen gut zu sein, aber wir werden es versuchen. Auch wenn es manchmal etwas länger dauert.

Und weil wir nicht besser erscheinen wollen, als wir sind, veröffentlichen wir die Rohdaten zu unseren SDG natürlich auch an dieser Stelle.

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