Eine kurze Geschichte des Klimawandels – Teil 1

Some people say that I should study to become a climate scientist so that I can “solve the climate crisis”. But the climate crisis has already been solved. We already have all the facts and solutions. All we have to do is to wake up and change.


Greta Thunberg: Declaration of Rebellion, Parliament Square, London, 31 October 2018


Ein fiktives Gespräch:

Die Welt ist bedroht durch den menschengemachten
Klimawandel, wir müssen im großen Stil unsere
Lebensweise ändern.

Klimaveränderungen gab es schon immer;
und in der Erdgeschichte oft viel größer

als in den letzten 100 Jahren.

Dieses Mal ist es wirklich schlimm. Gletscher
schmelzen, die Artenvielfalt nimmt ab. Dürren
und Überschwemmungen drohen.

Auch nicht mehr als früher. Vor 40.000
Jahren sind die ersten Menschen
zu Fuß nach Australien gewandert.

Die versammelte Wissenschaft behauptet
das Gegenteil.

Group-think ist wirklich ein Problem,
auch bei den sogenannten Klimawissenschaftlern.

Wenn wir nicht sofort handeln, ist es zu spät.

Ich glaube nicht, dass ich die Welt retten kann,
wenn ich ab sofort nur noch Papiertüten verwende.


So oder so ähnlich laufen die vernünftigeren unter den Gesprächen über Klimawandel. Und das Erstaunliche ist: beide Seiten haben recht, in allem, was sie sagen!

Wir beschäftigen uns beruflich mit dem Thema Nachhaltigkeit und der Klimawandel ist natürlich eines unserer Kernthemen. Deshalb haben wir eine dreiteilige Blog-Serie aufgesetzt, in der wir uns damit beschäftigen wollen:

Teil 1 (hier): Was passiert derzeit mit unserem Klima?

Teil 2 (folgt): Die Klimadiskussion. Teilnehmer, Standpunkte und wo liegen die Konfliktlinien wirklich.

Teil 3 (folgt): Was kann jeder Einzelne tun?


Teil 1: Was ist dran am Klimawandel?

Zusammenhänge sind allgemein am besten verständlich, wenn zwischen Ursache und Wirkung nicht zuviel Zeit vergeht. Der menschengemachte Klimawandel ist kompliziert: viele kleine Ursachen kumulieren sich über lange Zeitläufe zu einer äußerst schädlichen, aber zunächst nur mit den Mitteln der Statistik greifbaren Wirkung. Und jetzt sollen alle ihr indivuduelles Verhalten grundlegend ändern, weil wir sonst eine globale Katastrophe nicht mehr abwenden können? Good luck!

Vielleicht ist es kein Wunder, dass die derzeit bekannteste Aktivistin für den Klimawandel, die 16-jährige Schülerin Greta Thunberg, sich selbst auf Twitter als „16 year old climate activist with Asperger“ beschreibt. Es bedarf schon einer besonderen kognitiven Leistung, bei diesem komplexen Thema immer bei den Fakten zu bleiben und nicht auf die vielen Geschichten reinzufallen, die uns entweder zu hektischem Aktionismus oder in selbstgefälliges Weiter-so überreden wollen.


Es ist nicht ganz leicht, den Überblick zu behalten. Es ist Konsens unter (fast) allen Klimaforschern, dass die Erde sich erwärmt und dass das für den Menschen (je nach Lesart) schlimme oder fürchterliche Auswirkungen haben wird. Auch die internationale Politik hat den Klimawandel zum Gegenstand vieler, bisher meist reichlich erfolgloser, Konferenzen und Beschlüsse gemacht 1Bekannt geworden sind insbesondere die UN-Klimakonferenzen, die seit 1995 regelmäßig stattfinden. Hier sind insbesondere zu erwähnen Kyoto 1997 (erste rechtlich verbindliche Ziele für den Klimaschutz), Kopenhagen 2009 (rechtlich unverbindlicher „Minimalkonsens“: Erderwärmung soll auf maximal 2 °C im Vergleich zum vorindustriellen Niveau begrenzt werden), Paris 2015 (Erneuerung des verbindlichen 2-Grad-Zieles und Vertagung der konkreten Schritte auf Folgekonferenzen) sowie Katowice 2018 (Sie ahnen es: das 2-Grad-Ziel gilt und soll vielleicht sogar unterboten werden…). Auf der anderen Seite scheint eine laute Minderheit von sog. „Klimaskeptikern“ aus unterschiedlichen Gründen nicht einverstanden mit der Mainstream-Feststellung, dass unsere Erde sich zu unserem Schaden erwärmt. Die Skepsis kommt aus

  • technischen Fragestellungen (z.B. kann man überhaupt die globale Durchschnittstemperatur valide messen?),
  • aus abweichender Folgenabschätzung (Erwärmung findet statt, macht aber nichts)
  • Streit über den richtigen Weg, mit globaler Erwärmung umzugehen („…Vermeidung ist zu teuer und unrealistisch, wir müssen in Maßnahmen gegen die folgen investieren…“).

Wir haben im Artikel einige Fussnoten eingebaut, deren Funktionsweise erfahren Sie hier–>2Über das Thema Klimawandel kann man mehrere Schrankwände zu jeder Frage füllen; wir wollen uns hier auf das Wesentliche konzentrieren und haben deshalb ergänzende Informationen in die Fussnoten gepackt. Zum Ansehen einfach anklicken und dann an der gleichen Stelle „X“ wegklicken, damit es den Lesefluss nicht stört..

Nur wer noch nie auf einer Wissenschaftskonferenz war…3…, der wundert sich, dass große wissenschaftliche Fragen häufig mit erbittertem Streit ausgetragen werden; das gilt sicher nicht nur für die Klimaforschung. Allerdings ist es immer eine unschöne Situation, wenn eine breite Mehrheit einer Meinung ist, eine kleine Minderheit lautstark und mit zumindest auf erstem Blick nachvollziehbaren Argumenten das genaue Gegenteil verkündet. Wir haben das zum Anlass genommen, uns selbst ein Bild zu machen und schreiben hier darüber. Wir versuchen in der folge, den Stand der Wissenschaft so präzise wie möglich, aber in einer allgemein verständlichen Sprache zu tun und hoffen, dass unsere Leser das genauso informativ und anregend finden, wie wir die Beschäftigung mit der Materie.

In Teil 2 dieser Reihe werden wir uns mit den skeptischen und gegen den Mainstream gehenden Argumenten und Ansätzen beschäftigen. Doch zunächst gilt es, die wichtigsten Fragen zu den Fakten zu beleuchten:


Erwärmt sich die Erde wirklich? 

Kurze Antwort: ja, das tut sie!

Viele Teams von Wissenschaftlern haben die verfügbaren Daten zu globalen Temperaturen durchforstet und kommen alle zu dem gleichen Schluss; die globale Durchschnittstemperatur hat sich seit 1880 bis 2017 um ca. 0,9° Celsius erhöht. Die Messungen greifen dabei auf Satellitenmessungen, Temperaturaufzeichnungen (in England seit über 300 Jahren), Bohrkerne aus dem ewigen Eis der Arktis und Antarktis, geologische Untersuchungen von Gesteins- und Sedimentformationen sowie auf biologische Untersuchungen zurück (Baumringe, Fossilien, Mikriorganismen, etc.). Nachstenende Abbildung zeigt die Entwicklung der Durchschnittstemperatur seit 1880:

Link: https://climate.nasa.gov/vital-signs/global-temperature/

Die Erwärmung der Erde ist dabei nicht gleichmäßig verteilt. Insbesondere die nördliche Hemisphäre und Teile der Antarktis sind davon besonders betroffen.

Lokale Verteilung der Erderwärmung (eda.)

Die Messung einer globalen Durchschnittstemperatur ist nicht ohne Fehler. Selbst Satellitenmessungen müssen immer wieder korrigiert werden, etwa weil bestimmte Satelliten nur oberste Wolkenschichten, nicht jedoch die darunterliegenden Wolken messen können. Allerdings ist sich die Wissenschaftsgemeinde praktisch einig, dass die o.a. Messungen einen eindeutigen Trend haben: nach oben und um mehr als ein Grad seit 1880.


Ist die bisherige Erwärmung um 1 Grad alarmierend?

Kurze Antwort: Die bisherige Erwärmung seit 1850 hat bereits beachtliche Auswirkungen auf das Ökosystem gehabt, wurde aber eher am Rande wahrgenommen. Das Risiko ist, dass weitere 1 bis 4 Grad katastrophale Auswirkungen haben könnten.

Die Gretchen-Frage ist: Für wen ist eine globale Erwärmung alarmierend? Wir wir im nächsten Absatz sehen werden, ist die Erwärmung an sich keine Neuigkeit und die Erde als Ökosystem wird vermutlich weiter funktionieren. Allerdings muss das nicht aus anthropozentrischer Sicht so sein. Die eigentliche Frage, die gestellt werden sollte, ist: was werden die Auswirkungen auf unser Leben und Überleben sein? Den meisten Menschen ist es vermutlich nicht so wichtig, ob der Grottenholm in Zukunft auch am Polarkreis leben kann; aber es ist nicht gleichgültig, ob steigende Meeresspiegel die meisten Küstenstenstädte unbewohnbar machen. Betrachten wir die Auswirkungen, die die 1-Grad-Erwärmung in den letzten 100 Jahren auf unseren Planeten hatte:

Arktis: Die durchschnittlichen Temperaturen stiegen in den vergangenen 100 Jahren doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt. Satellitendaten zeigen seit 1978, dass die durchschnittliche jährliche Ausdehnung des Meereises um 2,7 Prozent pro Jahrzehnt geschrumpft ist, im Sommer sogar um 7,4 Prozent.

Entwicklung des arktischen Eis-Schildes im November 1978-2016
Quelle: https://earthsky.org/earth/arctic-sea-ice-extent-record-low-november-2016

Niederschläge: Von 1900 bis 2005 wurden in vielen Regionen langfristige Veränderungen beobachtet, Zunahme der Niederschläge wie auch Austrocknung und Dürren.

Meteorologische Extremereignisse: Die Häufigkeit von Starkniederschlägen hat zugenommen. Kalte Tage und Nächte sowie Frost sind seltener und heiße Tage und Nächte sowie Hitzewellen sind häufiger geworden. Für die USA kann man z.B. zeigen, dass in den letzten Jahrzehnten das Verhältnis von Höchsttemperaturen zu Niedrigtemperaturen signifikant zugenommen hat.


Gab es nicht schon immer Temperaturschwankungen auf der Erde?

Kurze Antwort: Die gab es, sogar gewaltige. Aber diese Erkenntnis ist für die aktuelle Klimadiskussion nicht wirklich nützlich!

Hier ist es durchaus sinnvoll, anthropozentrisch zu denken. Die globale Durchschnittstemperatur war zu einigen Zeiten in der Geschichte der Erde teilweise deutlich höher als heute. Die Erde kam mit allen möglichen Temperaturkonfigurationen gut zurecht, aber der Gedanke bringt uns nicht konkret weiter. Denn die eigentliche Frage des Klimawandels ist: herrschten damals Lebensumstände, die für die menschliche Zivilisation von heute lebenswert sind?

Das kann man sich sehr gut vor Augen führen, wenn man die Entwicklung der Temperatur auf der Erde seit ihrer Entstehung vor ca. 4,5 Mrd. Jahren betrachtet:

Link: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:All_palaeotemps.png

4,5 Mrd. Jahre bis vor ca. 250 Mio. Jahren

Diese Zeit ist sicher für Klimaforscher sehr interessant. Die frühe Erde war in der Lage, schnell eine Atmosphäre aufzubauen und die Temperatur so in einer gewissen Bandbreite zu halten. Dabe sind aber auch heute noch nicht alle Fragen geklärt. Etwa, wie die Erde damals unter deutlich schwächerer Sonneneinstrahlung (man schätzt ca. 75% der heutigen) in der Lage war, einen Treibhauseffekt nicht nur aufzubauen, sondern auch aufrecht zu erhalten. Man vermutet hier ein Wechselspiel aus bestimmten Treibhausgasen (z.B. das CO2, das heute in fossilen Brennstoffen gebunden ist – das muss ja vor Milliarden Jahren in der Atmoshpäre gewesen sein!) und vulkanischer Aktivität (ein großer Emitteln von Treibhausgasen).

Auf jeden Fall ist es der Erde gelungen, einen Temperaturkorridor zu halten, in dem sich Leben entwickeln konnte – und das in einer Bandbreite von +/- 15 Grad Celsius.4Sehr interessant dazu die GAIA-Hypothese des britischen Chemikers und Multitalents James Lovelock, die auch in der wissenschaftlichen Literatur weitreichende Rezeption gefunden hat. Siehe auch die Literatur in den Notes.

Vor 250 bis vor 65 Mio. Jahren

Das Mesozoikum:5Das Erdzeitalter zwischen 250 Mio. und 65 Mio. heisst so. Wir verzichten aber in der Folge gerne darauf, die wissenschaftlichen Namen der Erdzeitalter zu verwenden. Känozoikum, Mesozoikum, Paläozoikum (warum kommt das eigentlich nach dem Mesozoikum?)… kann sich kein Mensch merken. Wen es interessiert, der ist hier gut aufgehoben. Sehr warm, keine Gletscher, kein Eis an den Polen, der Meeresspiegel war ca. 200m höher als heute! CO2-Konzentration um ein Mehrfaches höher als heute. Man vermutet, starke Vulkanaktivität und eine Freisetzung von CO2 aus dem Meeresboden. Krokodile, Dinosaurier und Blattwälder befanden sich in den Polarregionen. Große Sandwüsten beherrschten weite Teile der Erde.

Was geschah vor 65 Mio. Jahren?

Vor ca. 65 Mio. Jahren begann die allmähliche Abkühlung der Erde. An dieser geologischen Nahtstelle zwischen Erdmittelalter und Erzneuzeit starben rund 70 bis 75 Prozent aller Tierarten aus, darunter mit Ausnahme der Vögel auch die Dinosaurier. Als Ursache wird in der Fachliteratur vor allem der Einschlag eines 10 bis 15 km großen Asteroiden nahe der Halbinsel Yucatán im heutigen Mexiko diskutiert, wodurch der 180 km durchmessende Chicxulub-Krater entstand. Durch den Einschlag wurden mehrere tausend Kubikkilometer Gestein bis in die Stratosphäre geschleudert. Innerhalb weniger Tage verteilte sich in der gesamten Atmosphäre eine große Menge an Ruß- und Staubpartikeln, die das Sonnenlicht über Monate hinweg absorbierten, einen globalen Temperatursturz herbeiführten und die Photosynthese der meisten Pflanzen zum Erliegen brachten. Durch die Abkühlung der Erde bildeten sich erste Gletscher, der CO2–Level sank global und die Temperaturen auf der Erde begann zu fallen. Zu beachten ist insbesondere, dass die Oberfläche der Erde damals nicht der heutigen Form entsprach. Die Antarktis hat sich erst vor ca. 25 Mio. Jahren von Südamerika getrennt und ist in Richtung Südpol gewandert. Nord- und Südamerika haben sich in dieser Zeit aufeinander zubewegt und erst vor 4 Mio. Jahren am Isthmus von Panama schließlich vereinigt. Durch diese Schließung entstand der Golfstrom, der heute das europäische Klima prägt und vor 2,7 Mio. Jahren.

Durch die einsetzende weltweile Abkühlung begann ein Prozess globaler Gletscherbildung: die Meeresspiegel fielen und es begann ein Prozess regelmäßiger Eis- und Warmzeiten.6Zunächst betrugen diese Zyklen ca. 41.000 Jahre und waren analog zu den Schwankungen der Erdachse. Vor ca. 1 Mio. Jahren änderte sich der Zyklus durch eine immer größer werdende Eisdecke und andere Faktoren in einen 100.000-Jahres-Zyklus, der mit dem Durchfliegen einer stellaren Staubwolke in Verbindung gebracht wird, die ebenfalls alle 100.000 Jahre durchflogen wird.

Alles in allem war die Phase von vor 65 Mio. Jahren bis vor 20.000 Jahren von einer schwankenden, aber kühler werden Erdtemperatur gekennzeichnet. Der moderne Mensch lebte in dieser Zeit schon seit ca. 20.000 Jahren in Europa.

Die letzten 20.000 Jahre

Die Klimaentwicklung der letzten 20.000 Jahre war geprägt von Temperaturen, die im Rahmen der klimatologischen Erwartungen in Kalt- und Warmzeiten rund um den Durchschnittswert oszillierten (in obiger Abbildung bitte den geänderten Maßstab in der Darstellung ab 20.000 Jahre bis heute beachten). Wir leben heute in der je nach Definition 7. oder 8. Eiszeit in der Erdgeschichte und eigentlich sollten die globalen Durchschnittstemperaturen noch eine Weile fallen.

Entwicklung der Eiszeiten. Dieses Bild wurde von Robert A. Rohde vorbereitet mit Hilfe öffentlich zugänglicher Daten und von Jo übersetzt. Quelle: Wikipedia.

Die letzten 1.000 Jahre

In Kürze: Mittelalterliche Warmperiode. Temperaturen steigen, Dürren und Hungersnöte in Nord-Amerika (das Ende der Mayas und Pueblo-Indianer). Seit 1400 v. Chr. eine kleine Zwischeneiszeit bis ca. 1850, bei der die Temperaturen um ca. 0,5 Grad fielen – unterstützt vom Ausbruch des Vulkans Pinatubo im Jahre 1815, dessen Klimaauswirkungen bis nach Mitteleuropa spürbar waren.

Die eigentliche Debatte des Klimawandels im engeren Sinne beginnt in im 20. Jahrhundert. Ab hier sind Erwärmungstendenzen zu verzeichnen, die mit „normalen“ Klimazyklen nicht mehr zu erklären sind (siehe die rechte Seite u.a. Graphik, in rot gefärbt). Der sog. Hockey-Stick-Effekt, also die überproportionale Erwärmung unseres Planeten, die auch als anthropogene (also: menschengemachte) Erwärmung bezeichnet wird.



Warum erwärmt sich die Erde?

Kurze Antwort: Es gibt einige Faktoren, die das bewirken können. Venus und Mars zeigen uns den Weg.

Die globale Erwärmung in der Erdgeschichte (siehe Abschnitt oben) war gesteuert von vier Hauptfaktoren:

  • Die Erdachse: Sie ist ziemlich stabil, aber nicht völlig stabil und kleine Änderungen können große auswirkungen haben.
    • Die Neigung gegen die Umlaufbahn um die Sonne variiert zwischen 21,8 und 24,4 Grad in einem 41.000-Jahres-Zyklus. Je größer die Neigung, desto größer die Unterschiede zwischen Sommer und Winter. Derzeit ist die Neigung 23,4 Grad und abnehmend (was eigentlich für eine kommende Einzeit spricht).
    • Die Umlaufbahn der Erde um die Sonne variiert ebenso in geringem Umfang, was für zwei kleinere Kilmazyklen, die sich beide im 100.000 Jahres-Bereich bewegen, verantwortlich ist.
    • Die Erdachse wabert um eine gedachte Linie (die sog. Präzession), was für 26.000-Jahres-Zyklen verantwortlich ist.
  • Vulkanausbrüche: Partikel aus großen Vulkanausbrüchen können soviel Sonnenlicht abhalten, dass es es merkbare Auswirkungen auf die Temperatur hat. Diese Auswirkungen sind aber meist auf ein paar Jahre begrenzt, da dann die Partikel zu Boden sinken und ihre erwärmende Kraft verlieren.
  • Kometeneinschläge waren in der Erdgeschichte für mindestens eine große Klimaveränderung verantwortlich. Wenn ein genügend großer Asteroid auf die Erde einschlägt, dann kann die entstehende Reibungshitze mit der Atmosphäre ausreichen, die Vegetation in Brand zu setzen und große Mengen CO2 in die Atmosphäre zu verbrennen. Vor 65 Mio. Jahren Ursache für das große Artensterben.

Aber diese beiden Ursachen können beide nicht die derzeitige Steigerung der Erdtemperatur erklären. Dazu fehlt noch die dritte – und derzeit am meisten bedrohliche – Ursache:

  • Treibhausgase: CO2, Methan, Ozon, Wasserdampf und einige andere Gase (unter ihnen auch die FCKW’s, die wir noch aus den Spraydosen kennen) können mit steigender Konzentration einen signifikanten Anstieg der Temperatur bewirken. Und wer nicht an CO2 als Klimagas glaubt, dem kann mit zwei Reisen auf Mars und Venus geholfen werden. Auf Venus macht CO2 etwa 96% aus (auf der Erde ca. 0,04%) und die Temperatur auf der Venus beträgt… genau: 460 Grad Celsius. Auf dem Mars hingegen (auch wenn auch hier die Atmosphäre im Wesentlichen aus CO2 besteht) ist der Umgebungsdruck so niedrig, dass Wasser bei Körpertemperatur verdampfen würde, weshalb sich auch keine „Treibhaus“artige Atmosphäre ausbilden kann; deshalb liegt die mittlere Temperatur auch bei ca. -50 Grad.

Wer oder was ist dafür verantwortlich?

Kurze Antwort: In der Erdgeschichte waren viele Faktoren zu unterschiedlichen Zeiten für Erwärmung und Abkühlung verantwortlich. Heute geht es nur noch um die sog. anthropogene, also die vom Menschen gemachte Erderwärmung.

Der Hauptverursacher sind Klimagase und hier vor allem das CO2. Während die Co2-Niveaus in den letzten 400.000 Jahren regelmäßig oszillierten, ist seit Mitte des 19. Jhdt. der Mensch und die Industrialisierung die Hauptursache für die derzeitigen Temperaturanstiege.

Seit 1958 misst das Manua Loa Observatory auf Hawaii die CO2-Konzentration in der Luft. Und die Graphik ist auch für uns Laien verständlich: die CO2-Konzentration in der Atmosphäre steigt weiter.

Gegenwärtig befinden sich etwa 3.100 Gigatonnen7Also 3.100 mal eine Milliarde Tonnen; abgekürzt auch GT CO2 in der Erdatmosphäre. Nach Untersuchungen der niederländischen Umweltbehörde steigt der menschengemachte CO2-Ausstoß mindestens seit 1970 kontinuierlich an: von 15 GT in 1970, über 26 GT in 2002 auf ca. 34 GT in 2012.

Etwa die Hälfte des Ausstosses wird von der Natur (insbesondere den Weltmeeren) wieder absorbiert, die andere Hälfte verbleibt in der Lust und wird dann auf Mauna Loa von uns gemessen.

Welche Aktivitäten tragen am meisten zum CO2-Ausstoß bei? die einfache Antwort ist: alle; aber in deutlich unterschiedlichem Ausmaß und hier in Reihenfolge ihrer Wichtigkeit:

  1. Elektrizität und Heizung (25%)
  2. Landwirtschaft (25%)
  3. Industrie (21%)
  4. Verkehr und Mobilität (14%)

Dieses mittlerweise berühmte Torten-Chart zeigt die Verursacher nach ihren Anteilen:

Welche Länder sind dafür verantwortlich? China ist Emittent Nr. 1, aber hat auch die meisten Einwohner. Die US-Amerikaner natürlich, die EU und dann Indien und Brasilien mit seiner extensiven Landwirtschaft.

Und wirklich? Nun gut, große Länder wie die USA und China haben natürlich einen höheren CO2-Ausstoß als kleine Länder. Es kommt also auch auf den CO2-Ausstoß pro Kopf an. Suchen Sie sich ein Land aus; aber fahren Sie besser nicht zur nächsten Fußball-WM.

Manche Statistiker beziehen die CO2-Emissionen auf die wirtschaftliche Größe eines Landes (gemessen als Bruttoinlandsprodukt) und die Bevölkerungsanzahl (in Tonnen CO2 pro Einwohner). Für die fünf größten Länder ergibt sich im Vergleich 1990 zu 2010 folgendes Bild:

Fast alle Länder weisen in diesem Zeitraum eine Verbesserung im Ausstoß pro Dollar und im Ausstoß pro Kopf auf. Aber es bleibt auch in dieser Betrachtung klar: da Wirtschaft und Bevölkerung wachsen, werden die Kreise trotzdem größer: der Gesamtausstoß an CO2 steigt insgesamt weiter an!

Die Realität ist: alles, was den modernen Menschen ausmacht, trägt wesentlich zur CO2-Emission bei. Und alle Aktivitäten, die zu einer prosperierenden Wirtschaft gehören, haben negetiven Einfluss auf das Klima. Das macht es auch so schwer für die Politik, Massnahmen gegen den Klimawandel zu beschliessen. Sie muss ständig Dinge verbieten oder reduzieren, die die Menschen gerne machen; kein besonders beneidenswerter Job.


Welche Folgen hat der menschengemachte Klimawandel?

Die bisherigen Auswirkungen des Klimawandels sind gut beschrieben. Doch wie sieht die Zukunft aus? Es gibt fast so viele Szenarios und Berechnungen zu diesem Thema, wie es Wissenschaftler gibt. Der überwiegende Teil (fast 98%) deuten in die gleiche Richtung. Bis zum Jahr 2100 wird:

  • Die mittlere globale Durchschnittstemperatur um zwischen 2 und 4 Grad Celsius steigen (je nach Annahmen über das menschliche Verhalten). In Europa sind davon insbesondere der Norden im Winter und der Süden im Sommer betroffen.
  • Heftige Regenfälle und andere extreme Wetterereignisse werden immer häufiger. Das kann zu Überflutungen und Verminderung der Wasserqualität führen, in manchen Regionen aber auch die Verfügbarkeit von Wasserressourcen beeinträchtigen.
  • Wasser dehnt sich bei Erwärmung aus. Gleichzeitig schmelzen infolge der Erderwärmung die polaren Eiskappen und Gletscher.
    Diese Veränderungen führen zu einem Anstieg des Meeresspiegels, der Überflutungen und Erosion in Küstengebieten und Niederungsregionen nach sich zieht.
  • Der Klimawandel vollzieht sich so rasch, dass viele Pflanzen- und Tierarten sich kaum anpassen können. Einige Pflanzen- und Tierarten werden verstärkt vom Aussterben bedroht sein, wenn die globalen Durchschnittstemperaturen weiter ungehindert steigen.
  • Unter den am schwersten vom Klimawandel betroffenen Ländern sind viele arme Entwicklungsländer. Die dort lebenden Menschen sind oftmals stark von ihrer natürlichen Umwelt abhängig und verfügen am wenigsten über die zur Bewältigung der klimatischen Veränderungen nötigen Ressourcen.

Aber darüber hinaus ergeben sich aus dem Klimawandel eine Reihe potentieller Gefahren, deren finale Auswirkungen unklar sind, die aber für den weiteren Verlauf der Entwicklung bedeutsam sein können:

  • Selbstverstärkung der globalen Erwärmung z.B. durch
    • Reduzierung des Eisschildes (Reflexion von Sonnenlicht)
    • Reduzierung der CO2-Aufnahmefähigkeit der Weltmeere durch Erwärmung (ein physikalisches Faktum)
    • Auftauen der Permafrostböden führt zu erhöhter Freisetzung des dort gebundenen CO2
  • Veränderung der Ökosysteme, z.B.
    • Algenblüten, die zu erhöhter Toxizität der Weltmeere führen können
    • Korallenbleiche und Korallenschwund
    • Verschiebung von Klimazonen und Veränderung der meteorologischen Jahreszeiten (bereits heute an veränderten Reisezeiten der Zugvögel messbar)
  • Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, z.B.
    • Erhöhung der Krankheits- und Sterblichkeitsraten
    • regionale Änderung von Gesundheitsrisiken durch Veränderung des Verbreitungsgebiets, der Population und des Infektionspotentials von Krankheitsüberträgern, wie z.B. Stechmücken
  • Strukturelle Veränderungen, an die die Menschheit sich anpassen muss, z.B.
    • Veränderungen in der Landwirtschaft durch veränderte Klimazonen
    • Gleiches für den Tourismus

Zusammenfassung

Klimawandel ist real, so die übereinstimmenden Ergebnisse der weltweiten Klimaforschung. Es ist auch kaum zu bestreiten, dass ein großer Teil der derzeit erfolgenden Veränderungen mittelbar und unmittelbar auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen ist. Wir müssen damit rechnen, dass wir die Erwärmung nicht in einem Maß stoppen können, das ein „Weiterleben wie bisher“ ermöglicht – dafür ist einfach zu viel Zeit vergangen.

Aber was macht man mit dieser Erkenntnis? Diese Frage ist Gegenstand vieler Debatten, die aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln geführt wird. Deshalb beschäftigen wir uns im nächsten Teil nicht mehr mit dem Klima, sondern mit der der Klimadiskussion: ihren lautstarken Teilnehmern, den Standpunkten und der Frage, wo die Konfliktlinien wirklich liegen.

Further read:

(1) Robert Henson: The Thinking Person’s Guide to Climate Change. American Meteorology Society. 2014.

(2) Wikipedia: umfassende Zusammenstellung der Forschungsergebnisse aus vielen Bereichen, mit einer kritischen Diskussion auf der entsprechenden Diskussionsseite

(3) Homepage der Klimaforschung der NASA

(4) Intergovernmental Panel on Climate Change („IPCC“): das Büro der UNO, das für die Wissenschaftsbewertung des Klimawandels verantwortlich ist

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