Von denen können wir noch viel lernen: Fair Fashion von jesango

Catja, Sophia und Alina bauen Deutschlands erste Community für Fair Fashion. Und die hat viel damit zu tun, wie wir selber Nachhaltigkeit verstehen. Nicht nur deshalb haben uns die drei sehr beeindruckt.

Deutschlands erste Community für Fair Fashion ging am 17.11.2019 online unter dem Namen jesango. Und der ist schon Programm. Jesango ist Esperanto für „Ja zur Veränderung“.

Catja bei der Arbeit

Alina erklärt, warum die drei jesango gegründet haben: „Die Textilindustrie ist nach der Ölindustrie der größte Umweltverschmutzer weltweit. Und die Arbeitsbedingungen für Näher und Näherinnen sind in vielen Ländern menschenunwürdig. Das wollen wir nicht länger hinnehmen. Es gibt wunderbare Fair Fashion Labels, die stylische Mode machen, die unter respektvollen Bedingungen hergestellt wird. Diesen Labels möchten wir Sichtbarkeit verschaffen. Denn obwohl überall von Nachhaltigkeit gesprochen wird, passiert im Bereich Fashion noch recht wenig.“ Wir können nur sagen: das Thema kennen wir aus der Farbenindustrie zur Genüge!

Also bietet jesango ihren Kunden die Möglichkeit, auf ihrer Plattform faire Mode zu kaufen, die auf keinen Fall in der „Öko-Ecke“ sein soll, sondern cool & trendig, und – dafür stehen die drei Gründerinnen mit ihrem Namen – die nicht Greenwashing für große Modelabels betreiben, sondern nachgewiesen nachhaltigen Modemarken und jungen Labels, die nachhaltig arbeiten, sich eine Zertifizierung aber nicht leisten können, eine Chance bieten soll.

Wir haben die jesango-Gründerinnen über einen Zero Waste Startup in München kennengelernt und haben uns zusammengesetzt, weil wir das Gefühl hatten, dass wir von unterschiedlichen Seiten am gleichen Thema arbeiten.

Uns hat sehr beeindruckt, wie ernst jesango das Thema Nachhaltigkeit nimmt.

Mit einem ziemlich umfangreichen Fragebogen werden potentielle Lieferanten daraufhin analysiert, ob sie den Ansprüchen an Fair Fashion genügen.

Aber – und das finden wir besonders bemerkenswert – junge Labels, die nicht die finanziellen Mittel haben, sich von den großen Zertifizierern wie Global Organic Textile Standard (GOTS), Fairtrade und Fair Wear Foundation begutachten zu lassen, können trotzdem mitmachen, wenn sie sich beweisen können. Und wir von PNZ werden uns bei Jesango etwas davon abschauen, denn das ist ein Defizit bei uns: wir müssen kleinen, lokalen Lieferanten noch eine bessere Chance geben, mit ihren Produkten zum Zug zu kommen.

Logistik und Services werden immer wichtiger

Das fanden wir auch erstaunlich. Die jesango-Gründerinnen denken sehr viel über Verpackung und Logistik nach. Fast schon selbstverständlich, dass sie sehr coole Second-Hand-Kartons benutzen, um die Waren zu verschicken.

Verpackung

Aber Logistik hat bei denen noch eine weitere Komponente, die mehr mit Working Capital zu tun hat. Wenn man Mode verkauft (und Drop Shipment aus verschiedenen Gründen nicht in Frage kommt), dann bedeutet ein großes Sortiment auch viel Working Capital, das refinanziert werden muss; vom Sortimentsrisiko mal ganz abgesehen. Das ist sicher auch ein riesiger Faktor im Business Plan von Jesango. Dort hat man sich überlegt, die Logistik-Services deutlich auszuweiten: Modelabels können ihr Fullfilment gesamthaft bei Jesango machen lassen (auch bei Verkauf für Fremdfirmen) und dafür hat Jesango immer Ware zum eigenen Verkauf auf Lager. Ein schönes Beispiel, wie man die Wertschöpfungskette der Lieferanten durch Service zum wechselseitigen Nutzen für Händler und Lieferant integrieren kann. Wir machen mit unseren Drop Shipment und Fulfillment-Services etwas ganz Ähnliches (siehe auch dieser Artikel), wenn wir für Wettbewerber Fullfillment machen. Gegen Amazon haben wir natürlich keine Chance, aber in der Nische gibt es genügend Raum für mittelständische Unternehmen, die kreative Lösungen für ihre Branche finden.

Last but not least: the spirit matters

Eine Sache können wir nicht kopieren: jesango ist ein Musterbeispiel für female entrepreneurship. Frauen als Gründer und in Führungspositionen sind auch heute noch keine Selbstverständlichkeit, auch wenn die meisten Firmen das etwas weniger beleidigend rüberbringen als Zalando. Bei uns ist es zwar ein bisschen anders (40% der Führungskräfte sind Frauen), aber die Geschäftsleitung besteht auch bei uns nur aus Männern. Wir haben die jesango-Gründerinnen zu uns eingeladen und werden sie bitten, uns mit unserem gesamten Team ein paar Impulse zu geben, wie wir uns da weiter verbessern können.

Auf jeden Fall ist jesango schon jetzt eine echte Bereicherung für unser Nachhaltigkeit-Netzwerk und wir freuen uns darauf, noch viele Gemeinsamkeiten und Ansatzpunkte zur Zusammenarbeit zu entdecken.

Aber jetzt für alle Cool Sustainable Fashion Victims:

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