Vegane Holzpflege? – eine kritische Diskussion

* Was bedeutet vegane Holzpflege? * Warum das für Holzpflege (meist) keine sinnvolle Kategorie ist * Vegan vs. nachhaltig *

Vegane Holzpflege erlebt einen gewissen Trend. Einige Hersteller und Marken vertreiben ihre Holzpflege und andere Erzeugnisse mit dem Hinweis, es handele sich um „vegane“ Anstrichmittel. Das klingt auf den ersten Blick gut. Warum, wenn wir beim Essen schon auf unsere Ernährung achten, nicht auch bei anderen Produkten. Wir haben uns mit der Frage „vegan oder nicht“ auseinandergesetzt und können die Vegan-Euphorie nicht ohne Weiteres so teilen.

Vegan kommt eigentlich aus der Ernährungsphilosophie und bedeutet, dass keine Produkte tierischen Ursprungs konsumiert werden (sollen). Die erste Vegan Society wurde 1944 von Donald Watson gegründet, der auch den Begriff vegan prägte als Abgrenzung zum Vegetarismus. Merriam-Webster’s Collegiate Dictionary bezeichnet mit vegan sowohl jenen Vegetarier, der weder tierische Nahrung noch Milchprodukte konsumiert, als auch jemanden, der die Nutzung tierischer Produkte insgesamt vermeidet. Für vegane Lebensweise sprechen eine Vielzahl ethischer, tierethischer, klimapolitischer und religiöser Erwägungen.

Für uns als Hersteller nachhaltiger Farben ist das natürlich relevant. Wir setzen eine Vielzahl pflanzlicher Rohstoffe ein und viele unserer Produkte sind rein vegan. Dennoch verzichten wir auf vegan als Marketing-Slogan für unsere Produkte und das hat einen Grund:

Wir glauben nicht, dass vegan eine gute Kategorie für Holzbeschichtungen ist!

Während in der Ernährung sicher viele Argumente für vegane Lebensweise sprechen, kommt es in der Herstellung von Holzschutzprodukten schnell zu Zielkonflikten, wenn man die Abwesenheit tierischen Ursprungs als Maßstab für die Produktentwicklung nimmt. Man kann das an einem konkreten Beispiel gut verdeutlichen: Bienenwachs.

Dieses Wachs ist sehr gut für Holz, hat einen angenehmen Geruch und viele gute technische Eigenschaften, die man in einer langlebigen Holzpflege haben möchte. Aber es ist im weitesten Sinne unvegan, weil es Tiere benutzt, um für den Einsatz beim Menschen zu dienen. Auf der anderen Seite produzieren Bienen mehr Bienenwachs, als sie selbst benötigen. Und die Waben verschlechtern sich im Zeitablauf durch die Nutzung, weil sich, wenn Bienen Pollen und Nektar in die Waben pressen, Kot und Häutungsreste in den Waben ablagern. Verantwortungsvolle Imker entnehmen aus hygienischen Gründen diese Altwaben aus den Stöcken, schmelzen sie ein und nach einer Filtration entsteht das für unsere Zwecke eingesetzte Bienenwachs. Diese Wabenentnahme ist also ökologisch durchaus sinnvoll und das daraus gewonnene Wachs kann dann industriell eingesetzt werden. Wir halten diese Nutzung von Abfallprodukten sogar für nachhaltig sinnvoll.

Die Alternative zu Bienenwachs ist z.B. Sojawachs. Dieses Wachs kommt meist aus dem Amazonasgebiet und wird dort auf Gebieten angebaut, für die Regenwald abgeholzt wurde, was per se einen großen Eingriff in die Umwelt darstellt (siehe dazu auch den Artikel aus dem SPIEGEL, den wir in Fußnote 2 verlinkt haben). Es gibt aber noch einen anderen Ansatzpunkt, das Thema vegan zu betrachten: den CO2-Fussabdruck, den wir erzeugen, wenn wir eine Tonne Wachs beschaffen:

1 TonneEntfernungCO2-e* in kg
Bienenwachs400 kmCa. 29.000
Sojawachs9.500 kmCa. 220.000

Dies bedeutet, eine Tonne Sojawachs besitzt – neben den umweltpolitischen Auswirkungen – ungefähr den 7.5-fachen CO2-Footprint gegenüber Bienenwachs. Legt man die vom Umweltbundesamt geschätzten Kosten pro unnötigerweise erzeugter Tonne CO2 von 180 EUR zugrunde, erzeugt 1 Tonne Sojawachs zusätzliche Umweltschäden in Höhe von ca. 40 TEUR – und sollte eigentlich auch 40 EUR teurer sein. Wir können darin nur wenig Nachhaltigkeit entdecken, zumal die realen Kosten des Produktes versteckt werden.

Aus unserer Sicht setzt man mit der Werbung auch Grundlagen für die Entwicklungsphilosophie in der weiteren Forschung. Und wir sind glasklar auf Nachhaltigkeit fokussiert; das bedeutet, alle Produkte, die wir entwickeln, werden am Schluss auf ihre Nachhaltigkeit hin abgeprüft und bewertet. Allein aus diesem Grund ziehen wir Bienenwachs dem Sojawachs 7,5-mal vor. Wären wir ein Hersteller veganer Produkte, kämen wir ständig in Zielkonflikte, aus philosophischen Erwägungen den Umweltschutz zurückstellen zu müssen. Und das wollen wir nicht, denn wir sind ein Hersteller nachhaltiger Produkte.

So konsequent muss man einfach sein.

Nachtrag vom 11.02.2019:
Die Süddeutsche Zeitung berichtet hier vom drohenden Aussterben vieler Insekten. Ohne Imker werden die Bienen nicht überleben….

Notes:

(*) CO2-e bedeutet CO2-Äquivalent. Das ist die Menge aller Treibhausgasen (CO2, Methan, etc.), umgerechnet auf den Treibhauseffekt, den eine entsprechende Menge CO2 erzeugen würde

(1) Lesenswerter Artikel wie gute Imker in Deutschland arbeiten. Hier

(2) Über die Auswirkungen der Regenwaldabholzung im Amazonas. SPIEGEL-ONLINE. Hier

(3) Umweltbundesamt. Hohe Kosten durch unterlassenen Umweltschutz. Hier

(4) Beitrag auf timberlove.blog zum Thema CO2-Footprint. A most invonvenient truth. Hier

2 Comments

  1. Ein nachhaltiger Artikel. Er entlarvt nachvollziehbar die Augenwischerei, die mit Begriffen wie „vegan“ getrieben wird. Leider machen sich nicht viele Verbraucher so viele Gedanken um die Produkte, die sie verwenden und fallen auf die Bauernfänger unter den Herstellern immer wieder herein.
    Zum Glück geht hier die PNZ seit Jahrzehnten schon einen anderen, den ehrlichen Weg.

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