No-vember: warum wir auch für die Letzte Generation spenden werden

Dass wir nichts von Black Friday, Cyber Monday und allen anderen Konsumrauschtagen halten, ist wahrscheinlich allgemein bekannt. Wie es in Fight Club hieß: „Wir kaufen Sachen, die wir nicht brauchen von Geld, das wir nicht haben, um Leute zu beeindrucken, die wir nicht leiden können“. Das hat aus unserer Sicht nichts mit nachhaltigem Konsum zu tun. Und wenn dieser Konsum dann noch moralisch aufgeladen wird, wird es aus unserer Sicht richtig problematisch, aber auch dazu haben wir auch schon ausführlich Stellung genommen.

Unser Ansatz zum Black Friday: der No-vember

Wir machen an diesem unglücksseligen Wochenende von Black Friday bis Maniac Monday (dieses Jahr ab dem 25. November) natürlich keine Rabattaktionen, sondern wir spenden 100% unserer Onlineumsätze an diesen Tagen für Zwecke, hinter denen wir stehen. An wen die Spenden gehen, ist bei uns eine Teamentscheidung. Dieses Jahr war die Diskussion darüber besonders engagiert und interessant.

An wen wir spenden

Ergebnis der Diskussion ist, wir spenden je 50% an unsere langjährigen Weggefährten von Pure Water for Generations e.V. und 50% an das Klimaaktionsbündnis Letzte Generation.

Warum Pure Water for Generations?

Pure Water for Generations ist bei uns quasi gesetzt, da wir mit ihnen zusammen seit vielen Jahren um die Reinhaltung der Donau kämpfen. Unsere Manufaktur sitzt auf einem Bach, der in die Altmühl fließt, die ihrerseits ein Donauzufluss ist. Der Hauptgrund dafür, dass die Donau in sehr schlechtem Zustand im Schwarzen Meer ankommt, sind die vielen Produktionsbetriebe an den Donauzuflüssen, die zur Verschmutzung beitragen – das muss sich ändern. Was das Team von PWfG so besonders macht, ist der Aktionismus im Team um Pascal Rösler, die vor allem auf Bildung setzen und jedes Jahr viele Dutzend Wasserschultage mit Kindern und Schülern machen. Das ist es allemal Wert, zu unterstützen.

Warum Letzte Generation?

Aufmerksam geworden sind wir auf die LG weniger durch ihre Aktionen (sie kleben sich auf Straßen und bewerfen Kunst mit Suppe in verschiedenen Geschmacksrichtungen), sondern durch die Diskussionssendung Lanz vom 09.11.2022. Markus L. beschuldigt die Umweltaktivistin Carla Rochel, Menschenleben zu gefährden und Kunst zu zerstören. Und – an der Stelle wurde es für uns besonders interessant – wirft er ihr vor, mit ihren Thesen zum Klimawandel „die Apokalypse an die Wand zu malen“ und weiter „…Welche Hoffnung geben wir denn unseren Kindern, nachfolgenden Generationen? Wenn ich dem konsequent folge, was Sie sagen und wie Sie auch darauf reagieren, ja, dann kann ich mich morgen eingraben“.

Dazu haben wir folgende Gedanken diskutiert:

  1. Wie klar und eloquent die Aktivisten Fr. Rochel über ihre Anliegen und die Dringlichkeit der Klimaproblematik aus der Sicht einer 20-Jährigen gesprochen hat.
  2. Wie überlegt die LG ihre Aktionen zu konzipieren scheint (es kleben sich nur einige Aktivisten fest, damit immer eine Rettungsgasse gebildet werden kann, es wird nur Kunst beschmiert, die hinter Glas geschützt ist, etc.).
  3. Wie bescheiden und konkret die politischen Ziele formuliert sind (9-EUR-Ticket + Tempo 100). Das klänge aus unserem eigenen Mund deutlich fordernder.
  4. Wie schnell die den Zielen der LG durchaus zugewandten Mitdiskutanten in eine gönnerhafte „ich würde Ihnen den Rat geben, Geduld zu haben…“-Attitüde verfallen, ohne es zu merken. Es gibt offensichtlich einen strukturellen Wahrnehmungsunterschied 20+ gegenüber 50+.

Wir haben im Team viel diskutiert, wie wir die Aktionen der LG finden und das Meinungsbild war wahrscheinlich genauso divers wie in der Gesamtbevölkerung. Konsens bei uns ist, dass in einem wohlgeordneten Gemeinswesen ziviler Ungehorsam ein zulässiges Mittel des Protestes ist, auch wenn es für die Gesellschaft unbequem ist. Dafür müssen Aktivisten Kritik ertragen, auch aus den Medien und der Politik. Dazu gehört (leider) auch, dass sich – insbesondere bayerische Politiker – gegenwärtig stark durch die Gazetten pöbeln (z.B. hier) und wir eine Warnung vor der neuen „Klima-RAF“ für deutlich überzogen halten, aber es gab schon auch bei uns eine Reihe kritischer Wortmeldungen.

Was uns aber einhellig bewogen hat, dass wir dieses Jahr die LG finanziell unterstützen ist der Umstand, dass der Staat es offenbar für richtig hält, Mittel, die uns als notwendig zur Terrorismusbekämpfung verkauft wurden, auch gegen unbequeme Klimaaktivisten einzusetzen. Davon muss sich eine offene Gesellschaft deutlich und wahrnehmbar distanzieren und – dies ist im ersten Schritt noch wichtiger – auch juristisch wehren. Das bedeutet für die LG in erster Linie hohe Anwaltskosten und dazu werden wir den zweiten Teil unserer Spende einsetzen.

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